Die Erfolgsgeschichte

…für diese Leistung hat das Europäische Patentamt (EPA) den Chemiker und sein Team bei der Verleihung in Venedig mit dem Europäischen Erfinderpreis 2017 in der Kategorie „Kleine und mittelständische Unternehmen (KMU)”, einer von insgesamt fünf Kategorien, ausgezeichnet.

„Die Erfindung von Günter Hufschmid bietet neue Möglichkeiten zur Beseitigung von Öl und Chemikalien nach potenziell verheerenden Lecks”, sagte EPA-Präsident Benoît Battistelli.

„Die Beseitigung von Schadstoffen kann dazu beitragen, deren Umweltbelastung zu begrenzen und Gesundheitsrisiken zu vermindern.” Er fügte hinzu: „Das Beispiel Hufschmid ist Beleg dafür, dass auch die Innovationskraft kleinerer und mittelständischer Unternehmen in Europa, groß genug ist, technische Lösungen für einige der größten Herausforderungen der heutigen Zeit zu schaffen.”

2017 hat das EPA zum 12. Mal den Europäischen Erfinderpreis verliehen, mit dem jedes Jahr außergewöhnliche Erfinder aus Europa und der ganzen Welt ausgezeichnet werden, die mit ihrer Arbeit maßgeblich zu gesellschaftlicher Entwicklung, technologischem Fortschritt und wirtschaftlichem Wachstum beigetragen haben.

Die Preisträger wurden von einer unabhängigen internationalen Jury unter mehr als 450 Erfindern und Erfinder-Teams ausgewählt.

Eine Zufallsentdeckung – ein internationaler Erfolg
Hufschmids Erfindung stand zunächst der Zufall Pate: 2010 ließ ein Mitarbeiter seiner Wachs-, Farb- und Plastikfirma Deurex eine Maschine über Nacht mit falschen Einstellungen laufen. Am nächsten Morgen war der gesamte Fabrikboden mit einer weißen, watteähnlichen Substanz bedeckt. Als ausgebildeter Chemiker mit vielen Jahren Erfahrung in der Industrie setzte Hufschmid sofort darauf, nach einer Verwendungsmöglichkeit für dieses faserige Material zu suchen.

Die passende Inspiration lieferte der Unfall auf der Deepwater Horizon Ölplattform, der sich nur wenige Wochen zuvor ereignet hatte und in dessen Folge Millionen Barrel Öl in den Golf von Mexiko strömten. „Die ganze Welt machte sich Gedanken, wie man das Öl aus dem Meer zurückgewinnen und den Ozean retten kann”, erinnert sich Hufschmid.

Er beschloss zu prüfen, ob die Wachswatte sich dafür einsetzen lässt. Wie sich zeigte, saugt das Wachs Öl sogar außergewöhnlich gut auf: Etwa ein Kilogramm der Substanz nimmt 6,5 Liter Öl auf. Dieses hohe Adsorptionsverhältnis reduziert auch die Abfallmenge und macht die Produktion ökonomischer.

Im Gegensatz zu anderen Produkten, die nach dem Einsatz entsorgt werden müssen, kann die Wachswatte zudem wie ein Schwamm ausgewrungen und wieder verwendet werden.
Nach zweijährigen Produkttests und mit einem Patent beim EPA hatten Hufschmid und sein Team die notwendigen Sicherheiten für die Investition in eine neue Produktionsanlage und Gespräche mit Erdölunternehmen, um so im Ölrückgewinnungsmarkt Fuß fassen zu können.

Die Erfindung in Aktion
Hufschmids neues synthetisches Wachs hat seine Wirksamkeit bereits sowohl in kleinen als auch in großen Anwendungsfällen bewiesen: 2013 spendete die Firma LKW-Ladungen von „Pure”, die den Feuerwehren in Süddeutschland beim Aufsaugen von Heizöl halfen, welches in die Keller von Hochwasseropfern gelaufen war.

Darüber hinaus arbeitete Deurex mit einer Nichtregierungsorganisation zusammen, um diese bei Reinigungsarbeiten im stark verschmutzten Niger-Delta in Nigeria zu unterstützen.

Aber das ist noch nicht alles: „Derzeit ist unser größter Erfolg die Anwendung in Windrädern”, sagt Hufschmid. Denn moderne Windräder benötigen zur Schmierung große Mengen an Öl, die auslaufen können. Ohne einen Ölbinder, der Lecks abdichtet, können kosten- und zeitintensive Reinigungsarbeiten entstehen.

An dieser Stelle ergibt sich ein weiteres Einsatzgebiet für das von den Mitarbeitern oft auch „Zauberwatte” genannte Pure.

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